Ist CBD ein Risiko für Hunde mit MDR1 Gendefekt?

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Der MDR1-Defekt ist ein Defekt im MDR1-Gen (Multidrug-Resistance Transporter), der bei einigen Hunderassen vermehrt verbreitet ist. Dadurch kommt es zu einer mangelhaften oder fehlenden Synthese eines bestimmten Proteins (P-Glykoprotein, P-gp), welches ein wichtiger Bestandteil der Blut-Hirn-Schranke ist.  Es übt im Gehirn eine Barrierefunktion aus, indem es Arzneistoffe und toxische Verbindungen in den Gehirnkapillaren zurückhält und sie wieder aktiv ins Blut transportiert. Damit wird ein Übertritt dieser Substanzen in das Nervengewebe verhindert. Fehlt dieses Protein aufgrund des Gendefektes führt dies zu einer Überempfindlichkeit gegenüber manchen Arzneimitteln.  Schwere Vergiftungserscheinungen sind die Folge, die therapeutisch nicht mit einer spezifischen Therapie zu beeinflussen sind. 


Manche Hersteller warnen vor der Verwendung von CBD ÖL bei betroffenen Hunden, da es auf Grund des Gen-Defektes zur schweren Vergiftungen kommen soll. cannoVet CBD Aroma-Öl ist kein Tier-Arzneimittel. Da es aber CBD enthält haben wir eine Literaturrecherche vorgenommen, um hier mehr Klarheit zu verschaffen.


Erst vor kurzem wurde eine wissenschaftliche Studie durchgeführt, in der die Auswirkung von CBD-Gaben an Mäusen mit einem MDR1-Gendefekt untersucht wurde. In dieser Studie wurde festgestellt, dass CBD kein Substrat für das P-Glykoprotein ist und bei Verabreichung entsprechend frei von Komplikationen ist. [5].

In einer jüngst erfolgten Untersuchung an Hunden wurde festgestellt, dass niedrige und mittlere Dosierungen gut vertragen wurde. Bei hohen Dosen wurden allerdings bedeutsame neurologische Symptome beobachtet. Hierbei lag die niedrige Dosierung bei 2 mg pro kg Körpergewicht, die hohe bei 10 mg pro kg Körpergewicht [6].

Derzeit gibt es noch keine Studien, welche gezielt die Auswirkung von CBD bei Hunden mit einem MDR1 Gendefekt untersucht haben. Die Ergebnisse an den Mäusen mit MDR1 Gendefekt deuten an, dass CBD bei Hunden ebenfalls ungefährlich sein sollte.

cannoVet Produkte sind Aroma-Öle mit einem definierten CBD-Gehalt. Sie sind keine Veterinär-Arzneimittel. Jedes Aroma-Öl wird mit einer Verabreichungsempfehlung angegeben, die deutlich unter der minimalen Verabreichungsmenge in jener Studie liegt. Wir empfehlen dennoch, die Anwendung man mit dem Tierarzt des Vertrauens zu besprechen.  


MDR1-Defekt - Die Rassen 

Nachdem ursprünglich die Mutation nur bei Colliehunden beschrieben war, kennt man heute eine Vielzahl von Hunderassen und Mischlingen, bei denen der Defekt nachgewiesen wurde. Betroffene Rassen sind der Collie (Kurz-Langhaar), Australian Shepherd, English Shepherd, Sheltie, Bobtail, Border Collie, Weißer Schäferhund, Wäller, Longhaired Whippet und Silken Windhound. Eigene Untersuchungsergebnisse bei LABOKLIN in den Jahren von 2006 bis 2009 zeigten, dass ca. 57 % aller untersuchten Tiere frei waren von der MDR1-Mutation, ca. 32 % der untersuchten Tiere waren Träger und 11 % der Hunde waren homozygot betroffen.


[1] Hugnet, C., Cadore, J. L., Buronfosse, F., Pineau, X., Mathet, T., & Berny, P. J. (1996). Loperamide poisoning in the dog. Veterinary and human toxicology, 38(1), 31–33.

[2] Mealey, K. L., Bentjen, S. A., Gay, J. M., & Cantor, G. H. (2001). Ivermectin sensitivity in collies is associated with a deletion mutation of the mdr1 gene. Pharmacogenetics, 11(8), 727–733. https://doi.org/10.1097/00008571-200111000-00012


[3] Schinkel, A. H., Smit, J. J., van Tellingen, O., Beijnen, J. H., Wagenaar, E., van Deemter, L., Mol, C. A., van der Valk, M. A., Robanus-Maandag, E. C., & te Riele, H. P. (1994). Disruption of the mouse mdr1a P-glycoprotein gene leads to a deficiency in the blood-brain barrier and to increased sensitivity to drugs. Cell, 77(4), 491–502. https://doi.org/10.1016/0092-8674(94)90212-7

[4] Mealey, K. L., Bentjen, S. A., Gay, J. M., & Cantor, G. H. (2001). Ivermectin sensitivity in collies is associated with a deletion mutation of the mdr1 gene. Pharmacogenetics, 11(8), 727–733. https://doi.org/10.1097/00008571-200111000-00012

[5] Brzozowska, N., Li, K. M., Wang, X. S., Booth, J., Stuart, J., McGregor, I. S., & Arnold, J. C. (2016). ABC transporters P-gp and Bcrp do not limit the brain uptake of the novel antipsychotic and anticonvulsant drug cannabidiol in mice. PeerJ, 4, e2081. https://doi.org/10.7717/peerj.2081

[6] Chicoine, A., Illing, K., Vuong, S., Pinto, K. R., Alcorn, J., & Cosford, K. (2020). Pharmacokinetic and Safety Evaluation of Various Oral Doses of a Novel 1:20 THC:CBD Cannabis Herbal Extract in Dogs. Frontiers in veterinary science, 7, 583404. https://doi.org/10.3389/fvets.2020.583404